Ein ganzes halbes Leben im bzi

Alles begann mit einem Inserat im Anzeiger des Amtes Interlaken vom 24.02.1995. Der Gemeindeverband Berufsschulzentrum Oberland Ost sucht einen Schulhausabwart auf Sommer 1996 für die neue Schulanlage bzi.



Das Berufsschulzentrum Oberland Ost war damals unter der Leitung von Rektor und Alt-Nationalrat Hanspeter Seiler und die Lernenden wurden vor 26 Jahren in der alten Mühle in Unterseen unterrichtet. Liselotte, die Frau von Fritz Tschanz, sah das Inserat und schlug ihm vor, sich doch zu bewerben. Er als Allrounder würde gut in diese Funktion passen. Bis dahin war er als Maurer-Vorarbeiter während 11 Jahren auf dem Bau tätig. Er liebte das Baggern, Verputzen und Mauern. Obschon ihm dieses Handwerk gut gefiel, wollte er den Schritt zu einer beruflichen Veränderung wagen und eine neue Herausforderung annehmen.


Ein neues Schulhaus, ein neuer Standort und ein neuer Abwart

Am 1. April 1996 um 08.00 Uhr sass Fritz in seinem neuen Veston mit klopfendem Herzen, sein letztes Bewerbungsgespräch war schon ewig her, vor dem Rektor und stand ihm nach bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort. «Etwas speziell sei es schon gewesen», meint Fritz. «Es ist nicht alltäglich, dass man sich für einen Job bewirbt, obwohl das Schulhaus an einem ganz anderen Standort steht und noch gar nicht fertig gebaut ist». Der Spatenstich zum Neubau des jetzigen bzi erfolgte am 4. November 1993 und im Sommer 1996 konnten die neuen Gebäude eingeweiht werden.


Hierzu gibt es eine lustige Anekdote sagt Fritz und lächelt auf den Stockzähnen. «Am ersten Schultag hat mir Hanspeter Seiler, der damals amtierende Rektor, ganz nebenbei gesagt, dass ich für die Anstellung des zusätzlichen Reinigungspersonals zuständig sei. In einer Nacht- und Nebelaktion musste ich dann die nötigen Reinigungskräfte rekrutieren, um den Reinigungsdienst zu Schulbeginn sicherstellen zu können». Auch zusätzliches Reinigungsmaterial, Maschinen, Werkzeug und Vieles mehr musste der neu amtierende Schulhausabwart kurzerhand organisieren und beschaffen. «Ein nicht alltäglicher Einstieg in den neuen Job», sagt Fritz und schmunzelt.


Rückblick nach 25 intensiven Jahren

Mittlerweilen sind 25 Jahre vergangen. In all diesen Jahren hat er drei Rektoren miterlebt sowie neun weitere Vorgesetzte. «Sein» Schulhaus kennt Fritz Tschanz in- und auswendig und ist gut im Schuss.

Auf die Frage, ob er ein spezielles Highlight in seiner bzi Laufbahn nennen kann, kommt die Antwort schnell: «Nur eines zu nennen ist unmöglich! Es gibt so viele Momente und Erlebnisse, die erwähnenswert wären. Aber auch wenn es bereits 16 Jahre her ist, ist die Erinnerung an das Hochwasser immer noch sehr präsent. Das Naturereignis im August 2005 war sehr prägend und hat unzählige Stunden und Nächte Extraeinsatz gekostet», sagt Fritz und man merkt, wie seine Gedanken in die Vergangenheit zurückschweifen. Vor dem inneren Auge erscheinen die Wassermassen, die den gesamten unteren Stock des Schulgebäudes und die Sporthalle komplett unter Wasser gesetzt haben. «Das war schlimm mitanzusehen. Zudem wohne ich nicht weit weg vom Schulareal und musste auch Zuhause den Keller auspumpen», ergänzt er.


Künstliche Fingernägel und andere Extrawürste

Neben diesen belastenden durfte Fritz auch viele schöne Momente erleben und aussergewöhnliche Aufgaben erledigen, wie beispielsweise künstliche Fingernägel ankleben, Absätze von High-Heels flicken, in Ledergürte zusätzliche Löcher stanzen, Vögel im Schulhaus fangen, mit dem Roller Lernende an den Bahnhof chauffieren, da sie sonst den Zug verpasst hätten, aber auch frühmorgens mit der Polizei und bewaffnet mit einer Taschenlampe auf Einbrecherjagd gehen, die Zimmer drei bis vier Mal am Tag umstellen, um fast jede erdenklichen Extrawurst erfüllen zu können und noch so Vieles mehr. «Was mich besonders aufgestellt hat, sind die positiven Rückmeldungen und Wertschätzungen von meinen Vorgesetzten, den Abteilungsleitungen, dem Lehrpersonal, den Lernenden, dem Büroteam, der Mitarbeitenden in der Schulküche und Mensa, meinen Kolleginnen und Kollegen im Hausdienst und allen Handwerkern, die mir halfen, das Haus im Schuss zu behalten», erzählt Fritz und man merkt, dass es ihm stets wichtig war, seinen Job zur Zufriedenheit aller erledigen zu können.



Es gab aber auch traurige Momente. Besonders schlimm war es für Fritz, wenn auf einmal eine Lehrperson oder ein Lernender nicht mehr zur Schule gekommen ist, weil er jäh aus dem Leben gerissen wurde. «Das gehört zwar zum Leben dazu, prägt einem aber immer wieder aufs Neue», sinniert Fritz.


Zeit Adieu zu sagen

Auf die Frage, wie sich das bzi und das Arbeiten in all den Jahren verändert hat, antwortet Fritz Tschanz: «Das bzi entwickelt sich immer mehr zum Dienstleistungsbetrieb. Ich bin stolz, dass ich während 25 Jahren meinen Teil dazu beitragen konnte». Er sei überzeugt und gleichzeitig erleichtert, dass er sein Schulhaus und seine Nachfolge in guten Händen wisse.


Alle Mitarbeitenden und Ansprechpartner des bzi danken Fritz Tschanz von ganzem Herzen für seine wertvolle und geschätzte Arbeit. Wir werden ihn sehr vermissen und freuen uns zugleich über seine hoffentlich zahlreichen Besuche bei uns am bzi. Zum Abschied hat Fritz einen goldenen VIP Zugangspass erhalten. Dieser gilt ein Leben lang, beinhaltet unter anderem einen Gratis-Parkplatz und freien Kaffeekonsum im Lehrerzimmer des bzi. Wir sind überzeugt, dass Fritz nun die Zeit und Musse finden wird, um im dritten Lebensabschnitt, alles das zu tun, was ihn auch noch interessiert, umtreibt und «gluschtet». Langweilig wird es ganz sicher nicht; denn bei Fritz gibt es immer etwas zu tun.