Das Grauen an der Tankstelle

Im Deutschunterricht spielen Schreibanlässe eine wichtige Rolle. Die unterschiedlichen Aufgabestellungen zielen auf verschiedene Schreibformen und die zu pflegenden Schreibkompetenzen ab. Neben dem Anschieben der Schreibmotivation wird die Entwicklung eines Spannungsbogens, die Pflege des Wortschatzes und das formal richtige Schreiben gefördert und gefestigt.


Bei der Fortsetzungsgeschichte mussten die Lernenden einen passenden Einstieg und einen logischen Schluss zu einem bestehenden Mittelteil entwerfen. Bewertet für die Notengebung wurden:

- Inhalt (logische Abfolge der Ereignisse, Originalität Einstieg und Schluss, Spannungsbogen, Idee),

- Umfang (Vorgabe 1200 – 1500 Zeichen, mit Leerzeichen)

- Sprachliche Korrektheit (grammatikalische Richtigkeit, Rechtschreibung, Zeichensetzung)


Aus 26 Fortsetzungsgeschichten hat die von Timo Fontana in allen Punkten abgeräumt. Sie wurde von den Lernenden der Klassen DHF2020a und b zur Siegergeschichte gekürt. Aber lesen Sie selbst und lassen sich von der «traumhaften Geschichte» überraschen.


Das Grauen an der Tankstelle

von Timo Fontana


Ich musste heute früh aufstehen. Ich hatte einen Roadtrip geplant mit meinem Hund Tristan und mit meinem geliebtem Ford Mustang, der nach dem Winter wieder gebraucht werden musste. Als ich fertig gefrühstückt hatte, ging ich mit meinem Hund in die Garage, stieg in mein Auto und fuhr los. Die Strecke hatte ich schon eine Woche vorher geplant. Es sollte über vier Pässe gehen und recht einfach zu befahren sein.


Den ersten Halt hatten wir an unserer Tankstelle geplant, so wie wir es immer taten. Der erste Pass bereite vor allem meinem Hund grossen Spass. Er hielt die ganze Zeit den Kopf aus dem offenen Fenster und streckte die Zunge raus. Als wir durch ein kleines Dörfchen fuhren, legten mein Hund und ich eine kleine Trinkpause ein und fuhren kurz darauf weiter. Auf dem zweiten Pass hatte ich besonders viel Spass. Ich konnte auf dieser Strecke das Gaspedal so richtig durchdrücken.


Wir kamen dadurch schnell bei der Tankstelle an. Ich tankte meinen Wagen und wollte in den Laden gehen, um zu bezahlen. Aber die Tür war verschlossen, weil eben dieses Mal alles anders war. Ich sah noch kein Licht im Innern der Tankstelle und auch sonst war niemand zu sehen. Beim zweiten Mal hinschauen, rannte plötzlich ein maskierter Mann mit einer Sporttasche in der Hand aus dem Innern des Tankstellenshops. Gleichzeitig ging das Licht an und ich hörte den Besitzer schreien.


Ich blieb wie angewurzelt stehen und sah den Mann auf mich zu rennen. «Oh Gott!» dachte ich. Doch es war schon zu spät. Der Mann packte mich am Kragen und sagte: «Ein Schrei und dein Leben ist vorbei!» Ich brachte keinen Ton heraus. Aber mein Hund, Tristan, fing wie irre zu bellen an. Das passte dem Mann ganz und gar nicht, weil nun auch noch der Besitzer der Tankstelle auf uns zu rannte. In diesem Augenblick hörte ich einen Schuss und ich sah, wie der Verbrecher mit der Beute zu Boden ging. Ich drehte mich nach einem Augenblick um und bemerkte zwei Polizisten mit gezogener Waffe. Der Polizist ging auf den verletzten Ganoven zu. Dieser schaute mich böse an und fing unverhofft zu bellen an... dadurch wachte ich auf. Das Erste, was ich sah, war Tristan, der mit seinem Bellen nach seinem Frühstück verlangte. Ich lächelte, kraulte seinen Hinterkopf und war froh darüber, dass alles nur ein Traum gewesen war.

Timo Fontana, der Autor der Siegergeschichte