Abenteuerlicher Hilfseinsatz

Ein 15-köpfiges Team aus Schreinerlernenden und Begleitpersonen unter der Leitung von Fachlehrer Stephan Leiser leistete in Rumänien in einem Altersheim einen Hilfseinsatz, wie es ihnen ergangen ist bei diesem Projekt erzählen Carmen, James und Lukas.

Unser Abenteuer begann am Freitag, 02.07.2021 um 5:00 Uhr in Steffisburg. Als alle 15 motivierte, noch etwas verschlafene, Lernende und Begleitpersonen das Material verladen hatten, konnte es los gehen. Mit 2 Autos und einem Anhänger voller Werkzeug und Hilfsgüter, nahmen wir die ersten 860 Kilometer in Angriff. Nach einigen Verpflegungspausen und Fahrerwechseln kamen wir in Siegsdorf (kurz vor Salzburg) an. Dort haben wir einige Hilfsgüter verladen.


Das nächste Ziel war Wien. In Wien erwartete uns das erste Hindernis. Die Stadt schreibt einen COVID-Test bei Übernachtungen vor. Das Testzentrum hatte bis 20:45 Uhr offen. Wegen Stau und dem Anhänger geriet die eine Hälfte, auf dem Weg, etwas hinter den Zeitplan (was sich später als normal herausstellte). Nachdem wir die Schweizer in der EM angefeuert hatten und eventuell das Tempolimit leicht überschritten hatten, kamen wir nach einem Schlusssprint eine Minute zu spät. Auch die Überzeugungskraft von Herr Leiser brachte uns nicht weiter. Ohne Testresultat fuhren wir zum Hotel. Nach einem Kebab und einigem Abwägen der Optionen kamen wir zum Schluss, dass die ungetesteten zum Flughafen fahren und sich dort testen lassen. Dieser sollte 24h offen haben….


Um Mitternacht kamen wir zum Flugplatz. Die Parkplatzsuche erwies sich als deutlich schwieriger als gedacht und kurzerhand entschieden wir, den erst besten PP ausserhalb zu nehmen und einfach über den Zaun zu springen. Welche Überraschung das Testlokal war bereits geschlossen. Enttäuscht und müde fuhren wir zurück. Dort erwartete uns die erste gute Nachricht, wir durften mit einem Selbsttest doch noch ein warmes Bett beziehen. Um ca. 1.00 Uhr morgens hatten es dann alle ins Bett geschafft.



Am nächsten Morgen genossen wir ein leckeres Frühstück und machten uns anschliessend auf den Weg, um das Schloss Schönbrunn, sowie das Hundertwasserhaus zu besichtigen. Nach dem Mittag fuhren wir weiter nach Mako (Ungarn). In Mako war geplant, am Abend in ein Thermalbad zu gehen. Wie fast zu erwarten, waren wir zu spät. Somit fuhren wir zu der Unterkunft und bezogen unsere Zimmer. Das Abendessen nahmen wir dann in der Stadt ein. Die Rückfahrt zur Unterkunft wurde etwas interessanter. Wir waren nicht 200 Meter gefahren, als wir einen Polizeiwagen vor uns hatten. Als Herr Leiser und ein weiteres Auto die Polizisten überholten, beschlossen wir, es ihnen gleich zu tun. Plötzlich bemerkten wir, dass die Polizei hinter uns Lichthupte. Nach etwas Verwirrung entdeckten wir, dass wir ohne Licht fuhren. Freundlich von ihnen, uns darauf aufmerksam zu machen oder…? Naja, als sie das Blaulicht einschalteten, wussten wir, es könnte länger dauern. Nach einer Ausweiskontrolle, einem Alkoholtest und fast einem ungewollten Bestechungsversuch durch unseren Fahrer erhielten wir eine Strafe von 10'000 Forint (ca. 30 CHF).


Am Sonntagmorgen holten wir unseren Aufenthalt im Thermalbad nach und anschliessend nahmen wir die letzten 360 Kilometer nach Sibiu (Rumänien) in Angriff. Dort angekommen, war es schon Abend und wir fuhren in die Stadt zum Abendessen. Zufälligerweise war in der Stadt an diesem Abend ein Live-Konzert und wir hatten eine schöne Unterhaltung. Zufrieden gingen wir schlafen, damit wir bereit für die Arbeit am nächsten Tag waren.



Um 6:45 Uhr am Montag fuhren wir los ins Altersheim. Nach einer freundlichen Begrüssung der Pensionäre und Pensionärinnen assen wir zuerst Frühstück. Danach erklärte uns Herr Leiser, was alles zu erledigen war.


· Täfer um Treppenhaus und Gang demontieren, Löcher spachteln, schleifen und streichen

· 6 Brandschutztüren und 2 Durchreichen montieren

· In 6 Zimmern und Gang Fermacell verlegen

· In 6 Zimmer an der Decke Gipsplatten montieren, spachteln, schleifen und streichen

· 2 Aussentüren montieren

· Fenster montieren

· Diverse Reparaturarbeiten


Wir teilten uns also in Gruppen auf und stürzten uns auf die Arbeit. Am Anfang dauerte es eine Weile, bis man sich organisiert hat, wusste wo das Werkzeug ist und richtig beginnen konnte. Es ging nicht sehr lange, bis die ersten unerwarteten Probleme auftauchten. Unter dem Riemenboden, welchen wir rausrissen, sollte eigentlich OSB (eine Art von Spanplatte) vorhanden sein, stattdessen stiessen wir direkt auf die Balkenlage und Isolation. Dieser unebene Untergrund machte das Fermacellen nicht gerade einfach. Auch die Türen zu montieren, gab mehr zu tun als zuerst gedacht. Nach einigen Anpassungen und durch improvisieren hingen jedoch am zweiten Tag fast alle Türen und erfüllten ihren Zweck. Zwischendurch kamen auch immer wieder die Altersheimbewohner, welche verschiedene Reparaturen an Schränken, Möbeln usw. benötigten. Sie freuten sich auf jeden Fall sehr, wenn man ihnen bei ihren Anliegen half.




Da die Decken der Zimmer im obersten Stock mit Gipsplatten verkleidet wurden, musste Zimmer um Zimmer geräumt werden, damit wir arbeiten konnte, ohne die Pensionäre zu stören oder zu gefährden. Diese waren jedoch nicht immer so begeistert, als wir ihre Betten in den Gang stellten und ihnen versuchten klarzumachen, dass sie gerade nicht in ihr Zimmer können.


Mittag und Abendessen sowie Znüni und Zvieri wurde uns im Altersheim serviert und wir mussten auf jeden Fall nie hungrig ins Bett. Wir arbeiteten meistens bis 19.00 und gingen danach in unsere Unterkunft zurück. Nach einer mehr oder weniger warmen Dusche trafen wir uns nochmal, um draussen Fussball zu spielen oder einfach gemütlich zusammenzusitzen und über die erlebnisreichen Tage zu sprechen.

Am Mittwoch sah unser Abendprogramm etwas anders aus. Wir hatten vor, ein ärmeres Dorf zu besuchen und zu besichtigen. Als wir nach etwas mehr als einer stündigen Fahrt dort ankamen, waren wir wohl alle etwas schockiert. Vor uns erstreckten sich Häuser, welche auf irgendeine Weise zusammengebaut wurden und aussahen, als würden sie beim nächsten Sturm nicht mehr alle stehen. Ein komisches Gefühl, wenn man sich vorstellte, in einem solchen Haus leben zu müssen. Besonders die Kinder des Dorfes schienen sich über Besuch zu freuen und hatten eine grosse Freude an den Kaugummis, welche wir ihnen mitbrachten. Als die Sonne langsam unterging, beschlossen wir, aufzubrechen und zurückzufahren. Mit vielen Eindrücken gingen wir schlafen und erholten uns, um am nächsten Tag wieder fit für die Arbeit im Altersheim zu sein.


Schon brach der letzte Arbeitstag unserer Reise an. Es gab noch viel zu tun. Langsam gingen uns die Materialien aus und es mussten noch Gipsplatten und Farbe gekauft werden. Das Treppenhaus war komplett fertig und auch das Team welche den Boden mit Fermacell belegten, sahen langsam ein Ende. Uns war klar, dass es uns nicht für alle Arbeiten reichen wird. Also beschlossen wir, die Fenstermontage für ein nächstes Projekt aufzusparen und unsere angefangenen Arbeiten, so weit wie möglich, fertig zu stellen. Das waren hauptsächlich noch die Gipsarbeiten. Es wurden Platten angeschraubt, fast gleichzeitig gespachtelt und dann gestrichen. Nach dem Abendessen gaben wir noch einmal alles, man spürte jedoch langsam, wie die Motivation sank und man wurde etwas müde. Also entschieden wir uns spät am Abend zusammen zu räumen und beendeten die Arbeiten. Wir erreichten unser Ziel beinahe, es fehlte nur noch die Farbe in einem oder zwei Zimmern. Nach einer Besichtigung unserer individuellen Arbeiten verabschiedeten wir uns. Das ganze Altersheim war dankbar für unsere geleistete Arbeit.


Zurück in der Unterkunft packten wir unsere Taschen und fielen todmüde ins Bett. Viel zu schnell war Morgen da und wir traten die Heimreise an. Am Freitagmorgen fuhren wir los in Richtung Budapest rund 570 km und assen unterwegs Frühstück. Als wir am Nachmittag in Budapest ankamen bezogen wir im Hotel unsere Zimmer und machten uns dann auf den Weg um Abend zu essen, und zwar in einem „All-you-can-eat“ Restaurant. Mit vollgeschlagenen Bäuchen gingen wir dann in den Ausgang. Für einige war es der erste Ausgang. Jedenfalls bleibt dieser Abend bestimmt allen in Erinnerung. 😉



Verschlafen machten wir am folgenden Tag eine Besichtigung der Liberty-Statue auf dem Gellert Hügel und genossen die Aussicht, die man von dort hat. Nach dem Mittagessen starteten wir den 540 km langen Weg nach Salzburg. Trotz viel Stau am Zoll konnten wir uns zum Warten sehr gut beschäftigen und der ein oder andere Autofahrer hatte etwas zuhause zu erzählen. In Salzburg gingen wir wie so oft auswärts essen, dieses Mal Pizza und danach erschöpft schlafen. Um 07:00 Uhr am letzten Tag unserer Reise nahmen wir den letzten Abschnitt der Strecke in Angriff. Wir fuhren über St. Gallen nach Steffisburg und wurden dort von Familie Leiser willkommen geheißen mit einem Eis.


So befanden wir uns am Ende unseres abenteuerlichen Projekts. Und haben nun viele Geschichten und Erinnerungen, die wir nicht so schnell vergessen werden. Dies haben wir Herr Leiser zu verdanken, der die Reise organisiert hat und auch Thomas Aeschlimann danken wir für die grossartige Begleitung. Und natürlich ohne ein super Team wäre es nie so weit gekommen. Ich finde keine Worte euch zu danke für all die Momente, Dummheiten, Sprüche, Motivation und Lachen in diesen 10 Tagen.



«Multumesc», also Danke für die unvergessliche Reise sagen die Teilnehmenden und Autoren des tollen Blogs, Carmen Christeler, James Kienholz und Lukas Burren