Widerstandskraft

Zweimal im Jahr lädt die Schulleitung alle bzi Mitarbeitenden zu einer Konferenz ein. Einmal im Januar und dann im August vor Schulbeginn wieder. Die Zeit wird genutzt, um einen Rück- und Ausblick zu machen, Standortbestimmungen zu erörtern und über Personelles zu sprechen. Generell treffen sich die rund 100 bis 150 Personen in der Aula und können sich anschliessend bei einer leichten Verpflegung austauschen und so mit der einen oder anderen Lehrperson oder Mitarbeitenden sprechen, die man seltener sieht, da unsere vier Standorte doch etwas auseinander liegen.



Wie so vieles, ist nun auch diese Konferenz ins Netz verlegt worden und findet via Teams statt. Nebst den gängigen Traktanden kommen die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer in den Genuss eines spannenden Impulsreferates von Robert Buchli über «Innere Stärke – Resilienz». Robert Buchli ist Sportpsychologe und bezeichnet sich selber als Idealist.


Wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ihm ein paar Fragen über ein «resilientes Leben» gestellt.


Widerstandsfähigkeit – doppelt wichtig in dieser Zeit. Wie kam es zu diesem Referat?

«Man kennt mich im Oberland vermutlich als «Sportpsychologe von Schwingerkönig Mätthel Glarner» - so entstand der Kontakt. Da auch im Sportkontext die Ressourcen von Bedeutung sind entstand die Idee das Angebot im Rahmen eines Impulsreferats zu lancieren und bei Bedarf das Thema zu einem späteren Zeitpunkt mit interessierten Lehrpersonen zu vertiefen.»


Haben Sie persönlich immer Zugang zu Ihrer inneren Stärke?

«Selbstverständlich nicht – aber ich arbeite täglich daran und versuche meinen Alltag möglichst ausgewogen zu gestalten, damit das Tor zu meinem natürlichen Potential in möglichst vielen Situationen offen bleibt.»


Gibt es generell mehr Stress, Belastung und Widrigkeiten als früher oder haben wir es einfach verlernt auf den Körper zu hören und unsere innere Stärke zu aktivieren?

«Ich bin der Meinung, dass das Tempo in dem heute Dinge in unserem Alltag umgesetzt werden können uns tatsächlich überfordern. Weiter haben wir im Privaten ein Überangebot an Möglichkeiten und ganz viele Menschen, mit denen wir Dinge erleben wollen. Im Indianerdorf war die Anzahl Kontakte überschaubar und mit der Jagd und dem Beeren sammeln die Aktivitäten klar. Es ist heute wichtiger denn je klar unseren Weg zu finden und zu entscheiden was uns wirklich wichtig ist und was wir wirklich gut und gerne machen. Das konnten die Indianer bedingt!»


Ein wichtiger Teil der Resilienz ist das Wahrnehmen und der Umgang mit Gefühlen. Sind wir vielleicht etwas abgestumpft in dieser Hinsicht?

«Ich glaube tatsächlich, dass wir es in irgendeiner Weise verlernt haben. Wenn wir Kinder beobachten dann wissen wir allerdings, dass wir die Fähigkeit in uns tragen. Einfühlungsvermögen und über Gefühle zu reden ist gerade in der aktuellen Situation von grosser Bedeutung.»


Nehmen wir an, wir könnten innere Stärke als Impfung bekommen. Welche «Stoffe» müssen enthalten sein, damit wir stärker werden können? Sozusagen eine praktische Anleitung zu einem zufriedenen Leben.

«Welche Stoffe enthalten sind weiss ich nicht, da jede Impfung individuell dosiert werden müsste. Ich bin mir aber sicher, dass sich alle impfen lassen würden! Hierfür werden wir aber nicht so schnell eine Impfung finden. Schön, dass keiner um die eigene Reise nach innen herumkommt.»


Wie kann ich das Gehörte in meinen Unterricht einbauen, haben Sie Tipps oder gute Erfahrungen gemacht, wie eine Lehrperson den Lernenden helfen kann, innere Stärke aufzubauen?

«An sie glauben sprich, ihnen vieles zutrauen. Das sehen, was läuft. Die Bereitschaft sich als wesentlicher Teil des Lernprozesses des Lernenden zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen, statt auszurufen, dass man die heutige Jugend zu nichts brauchen kann. Es liegt an unserer Generation, wir sind an der Macht – die Jugendlichen können nichts dafür.»


Haben Sie auch einen Rat für das Verwaltungspersonal? Sozusagen resilienter im Büroalltag zu sein?

«Bewusst Pausen machen – sich bewegen um beweglich zu bleiben – privates & berufliches bewusst trennen - aufhören zu jammern – das ändern was veränderbar ist – sich täglich bewusst werden wie gut es uns «eigentlich» geht – den informellen Austausch pflegen soweit das im Moment möglich ist.»


Bild: Robert Buchli. www.robertbuchli.ch

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