Das bzi verliert 217 Jahre Berufserfahrung

Jeden Sommer gibt es an allen Schulen im Kanton Bern Abgänge und Neuzugänge bei den Lernenden und den Lehrpersonen. Im Rahmen dieser Wechsel verliert das Bildungszentrum Interlaken auf Sommer 2022 rund 217 Jahre Berufserfahrung durch Lehrpersonen, die ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. Am traditionellen bzi Grillabend, 27.6.2022, wurden 8 Lehrpersonen verabschiedet


Eine dieser Lehrpersonen hat während 37 Jahre seine Spuren im bzi hinterlassen und das heutige bzi stark mitgeprägt. Der Schulstandort Frutigen verfügte mit dem Standortleiter Hans Germann über einen Macher, der eine klare Vision von der «hölzigen» Zukunft für das bzi hatte, das Holzzentrum Frutigen über die Holzbauerkreise hinaus bekannt machte und als Initiant des damaligen «Swiss IBW-Teams» die Lernenden Zimmerleute optimal auf die internationalen Berufswettkämpfe vorbereitete und unterstützte. Nicht wenige Schweizer-, Europa- und gar Weltmeister sind die erfreulichen Resultate dieser Efforts. Auch im Bereich Weiterbildungsbereich hat Hans Germann die Bildungslandschaft für alle «hölzigen» Berufe im Berner Oberland massgeblich mitgeprägt und weiterentwickelt. Treffender als sein langjähriger Berufskollege, Hansueli Mürner, es ausdrückte, kann man Hans Germanns Verdienste nicht umschreiben. Der Gemeindepräsident von Reichenbach meinte: «Über unsere gemeinsame Zeit und alle deine Verdienste und Taten eine abschliessende Widmung zu schreiben, würde den Umfang sprengen!»


Nur gerade zwei bzi Jahre weniger stehen im Lebenslauf von Bernhard Mathyer. 35 Jahre hat er im bzi am Standort Interlaken unterrichtet, verschiedene Funktionen innegehabt, den Schulalltag geprägt und sich für die Weiterentwicklung der Gesamtschule eingesetzt. Der gebürtige Brienzer hat seit 1987 vier Rektorenwechsel und ebenso viele Reformen miterlebt. Gemäss seinem Berufskollegen, Urs Kernen, sei es nicht einfach über Bernhard und sein Wirken zu schreiben. «Das Kaleidoskop seines (Berufs)-lebens ist vielverzweigt, farbig und facettenreich.», schreibt Kernen und fügt hinzu, dass der gleiche Jahrgang und ein vergleichbarer Werdegang nicht ausreichen, um Bernhard Mathyer abschliessend zu beschreiben und würdigen zu können. Neben seinem Einsatz als Konventsvertreter in der Schulleitung als ISO-Verantwortlicher und Q-Team-Leader unterrichte Bernhard Mathyer unterrichte er mit Begeisterung und Engagement Sport und ABU. Ein Vollblutlehrer, prägend für seine Schützlinge, der im Kollegium mit folgenden Attributen beschrieben wird: «Bernhard ist engagiert, begeisterungsfähig, kämpferisch, er hat Zivilcourage, ein grosses Kämpferherz, ist an allem und jedem interessiert, neugierig und jung geblieben, ein enthusiastischer ISO-Chef und er redet viel». Ausserhalb der Schule engagiert sich Bernhard Mathyer als UN-Wahlbeobachter in der weiten Welt ebenso wie als Burgerratspräsident in seiner Wohngemeinde Brienz.


Mit Thomas Dietrich, Lehrperson ABU bei den Maurern, verlassen 27 Jahre Berufserfahrung das bzi. Sein Berufskollege, Kim Frutiger, beschreibt ihn als Meister seines Faches, Organisationstalent und als echten Problemlöser. «Ich arbeite seit 15 Jahren mit Thomas zusammen und ohne ihn wäre die Bauabteilung im bzi nicht da, wo sie heute ist», meint Frutiger weiter. «Er geht in seinem Beruf auf, sein Unterricht ist stufengerecht, fair, interessant, sinnvoll und immer auf den Maurerberuf bezogen», fügt er an. Weiter erzählt uns der Berufsverantwortliche, dass Thomas seine Schüler disziplinarisch stets im Griff hatte und die Lernortkooperation (Eltern, Ausbildner in den Betrieben und Ük) vorbildlich umgesetzt und rege gepflegt habe. «Thomas ist keiner, der um den heissen Brei redet», sagt Frutiger «einfach ein Vollblutlehrer, der stets versucht für alle Beteiligten eine gute, schlanke und einfache Lösung zu finden. Sogenannte «faule Eier» musterte Thomas Dietrich zum Schutz der anderen Lernenden aus und suchte nach geeigneten Lösungen in anderen Ausbildungsgängen». Ausgemustert ist Thomas Dietrich noch lange nicht. Er hat noch verschiedene Projekte im Hinterkopf, für die er jetzt endlich Zeit hat und diese umsetzen kann.


Der allgemein-bildende Unterricht hat es Niklaus Zeindler, kurz Nik genannt, besonders angetan. So wurde er am 4.7.1996 vom damaligen Rektor, Hanspeter Seiler, als ABU Lehrperson angestellt. Der heutige Rektor, Ernst Meier, der selbst seit XY Jahren am bzi ist, kennt Nik gut und sagt über ihn: «Seine Spuren als Lehrer für Allgemeinbildung und Sport hat er in gewerblich-industriellen wie auch gesundheitlich-sozialen Berufen Spuren hinterlassen. Es gibt fast keinen Beruf am bzi, den Nik nicht unterrichtet hat. Die Bandbreite reicht von Automechanikern, Elektroinstallateuren, Fachleuten Gesundheit, Maurern bis zu Zimmerleuten. Nik Zeindler hat auch fast an allen Standorten gearbeitet und kennt das bzi und seinen Werdegang bestens». Nebst seiner Tätigkeit als Lehrperson hat er als Mitglied des Qualitätssicherungsteams und als ABU-Verantwortlicher die Revision des Lehrplanes 96 mitverantwortet. Durch seine kompetente und ruhige Art konnte er auch zahlreichen Lernenden mit besonderen Bedürfnissen in «Stütz- und Förderkursen» helfen. «Sein Engagement für die Berufe, in welchen er unterrichtet hat, war im Kreis des Kollegiums immer sicht- und spürbar», so Meier.


Als klassischen Quereinsteiger könnte man Urs Glauser bezeichnen. Als er 2001 am bzi begann, tat er das im Nebenamt und war hauptamtlich noch als Bauführer und stellvertretender Geschäftsführer bei der Läderach Weibel AG in Thun tätig. Aus seiner Funktion als Obmann der Fachkommission Maurer und QV- Chefexperte kannte er die Ausbildung und das bzi bereits bestens. Als Nachfolger für die Fachlehrer Karl Feuz und Heiri Zurbrügg trat er gemeinsam mit Kim Frutiger in den Schuldienst ein. Seine Unterrichtstätigkeit als Berufskundelehrperson nahm zu und so tauschte er kurzerhand die Baustelle gegen den Schuldienst bei den Maurern am bzi und den Baupraktikerklassen an der GIBB ein. Am bzi leitete er zusätzlich übergangsweise den Bereich Liegenschaften und führte dabei ein eingespieltes Team von Haudienstleitern und Haudienstleiterinnen und war gleichzeitig auch Schnittstelle zu den Kantonalen Stellen. Speziell erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Bewältigung der Hochwasserereignisse in den Jahren 2005 und 2006. Ohne seinen fachkundigen Einsatz, hätten wir die damalige Situation nicht so gut bewältigen können. «Als Chefexperte beim Qualifikationsverfahren der Maurer EFZ und Fachlehrerkollegen war er stets topp vorbereitet. Die Durchführung der Prüfungen ist mit sehr viel organisatorischem Aufwand verbunden und hat dank ihm immer tadellos funktioniert», sagt Kim Frutiger in seiner Funktion als Berufsverantwortlicher Maurer über seinen Arbeitskollegen. Wir kennen Urs Glauser als zuverlässigen, fachkundigen und sehr menschlichen Kollegen, der sich immer für seine Maurer, seinen Beruf und auch für das bzi mit Herz und Seele eingegeben hat.


Christine Stucki und ihr Mann haben das Zusatzangebot «Fördern und Begleiten» im bzi in der heutigen Form entwickelt und nachhaltig geprägt. Seit 20 Jahren ist es ihr ein Anliegen, den Lernende ein stabiles Fundament in der sprachlichen Grundkompetenz zu vermitteln. Als Fachfrau für Lernförderung ermuntert Christine Stucki Lernende die deutsche Sprache auch in ihrer Freizeit so oft wie möglich anzuwenden. Sie erarbeitet mit jungen Menschen aus aller Welt die notwendigen Skills, damit die Lernenden am Ende ihrer Ausbildung das Qualifikationsverfahren erfolgreich bestehen können. All das erzählt uns Annarös Mühlemann. Als Ressortleiterin und Arbeitskollegin kennt sie Christine Stucki und fügt über sie weiter an: «Christine hat stets den Dialog mit ihren Lernenden gesucht, sie gefördert und gemeinsam mit ihnen individuelle Lernstrategien erarbeitet».


«Müsste ich ein Bild malen, um sie darzustellen, wäre es farbenfroh, die ganze Farbpalette wäre abgedeckt, es gäbe Kanten, Ecken, Rundungen, Wellen, ruhige Flächen und viele Details; wäre gegenständlich und ebenso abstrakt», so beschreibt Karin Kehl, Abteilungsleiterin Gesundheit und Soziales, die Berufsfachlehrerin, Monique Göldlin. Ihr Werdegang liest sich nicht weniger blumig: Von der damaligen Töchterhandelsschule Krankenpflege zur diplomierten Berufsschullehrerin mit vielen internationalen Abstechern, beruflichen Auslandaufenthalten und Sprachkursen. «Seit dem Tag ihrer Anstellung am bzi im Jahr August 2008 engagiert sich Monique mit Feuer und Herzblut für die Lernenden und steht mit Begeisterung und starken Argumenten für ihren Berufsstand ein», lobt Kehl ihre Arbeitskollegin. «Auch nach ihrer Pensionierung im Sommer 2022 unterstützt uns Monique Göldlin weiter, wenn «Not an der Frau» ist, übernimmt Stellvertretungen und unterrichtet in Sprachkursen.».



Christoph Buri, Lehrperson ABU, ist seit August 2012 im bzi angestellt. Aus dem bernischen Schuldienst scheidet er aber nach über 38 Jahren aus. «Mit Christoph Buri verlässt das bzi viel Herzblut für die Berufsbildung, viel Erfahrung im Umgang mit Lernenden und vor allem ein präsenter Kollege», erzählt Ernst Meier, Rektor bzi. Christoph Buri war nicht nur Lehrperson. Er war Mitglied im SET-Team (Schulentwicklung) und im Q-Team (Qualitätssicherung), amtete als Supervisor und Organisationsberater. «Das Wohl seiner Lernenden war Christoph Buri immer wichtig – es ging ihm eben nicht nur um die «Sache» - es ging ihm vor allem um die Menschen. Dies zeigte sich in seinem Engagement in Beruf, Fachschaft und Schule», so Meier weiter. Die vom ihm organisierten kulturellen Anlässe bleiben in lebhafter Erinnerung. In jedem einzelnen steckte Christoph Buris Herzblut. So kam viel Unterrichtsstoff in einer interessanten, aktiven Art und Weise an die Frau, resp. an den Mann. Wir sind sicher, dass Christoph für seinen wohlverdienten Ruhestand viele weitere spannenden Projekte im «Köcher» hat.




Der Rektor, Ernst Meier, dankt allen geschätzten Kolleginnen und Kollegen für die wertvolle Arbeit, die in allen den Jahren für die Bildung, für das bzi und für die jungen Fachkräfte geleistet worden ist. Er übergibt goldene oder silberne VIP Pässe und fügt hinzu: «Diese Pässe sind mehr als nur laminiertes Papier! Was darauf steht ist genauso gemeint und ihr seid alle jederzeit willkommen im bzi und wir freuen uns über jeden einzelnen Besuch von euch».


«Langjährige Mitarbeitende sind das Rückgrat jeder Organisation. Ein guter Mix aus Jung und Alt, erfahren und unbeschwert, hilft die Unterrichtsqualität für die Lernenden hochzuhalten», ergänzt Meier weiter. «Mit euch verlassen uns 217 Jahre Berufserfahrung, das sind auch:

- 8246 Unterrichtswochen oder

- 214'396 Lektionen oder

- 250'000 Notenarbeiten,

- ca. 900 Schulkonferenzen,

- 1302 Klassen und

- 26’000 Lernende


wir werden euch vermissen und wünschen euch von Herzen alles Gute und beste Gesundheit», sagt der Rektor und entlässt allen bzi Mitarbeitenden in einen vergnüglichen Grillabend und ab 2.7.2022 in die Sommerferien.